Terrasse und Gartenmöbel winterfest machen: Pflege, Lagerung und die Fehler, die teuer werden

Der Deutsche Wetterdienst meldet für Mitteldeutschland die ersten Bodenfröste meist schon in der letzten Septemberwoche, und genau dann liegen bei vielen Hausbesitzern die Rattanstühle noch auf der Terrasse, die Polster noch im Regen. Wer jetzt handelt, statt bis zum ersten kalten Wochenende im Oktober zu warten, spart sich im Frühjahr die böse Überraschung: aufgeplatztes Geflecht, schimmelige Kissenbezüge, ein Grill, der innen nur noch nach Rost riecht.

Warum September der letzte gute Zeitpunkt ist

Zwischen 15 und 20 Grad tagsüber und noch trockenen Nächten lässt sich Gartenmobiliar reinigen, ohne dass Feuchtigkeit direkt wieder eindringt. Sobald die Nächte unter 10 Grad fallen, trocknet Holz und Geflecht deutlich langsamer, und genau in dieser Phase entsteht der Schimmel, den man erst im März entdeckt. Die Verbraucherzentrale NRW rät, mit der Einlagerung spätestens zwei Wochen vor dem ersten statistischen Frosttermin der Region zu beginnen — für Leipzig und Dresden ist das üblicherweise Ende September, für den Rhein-Main-Raum eher Mitte Oktober.

Nehmen Sie sich für die komplette Terrasse ein Wochenende, nicht einen Nachmittag. Wer alles an einem Samstagnachmittag hastig unter die Plane wirft, vergisst regelmäßig, dass nasses Holz unter einer luftdichten Abdeckung schneller schimmelt als offen im Regen.

Rattan, Holz oder Aluminium: jedes Material braucht eine andere Behandlung

Polyrattan-Möbel von Herstellern wie Kettler oder Siena Garden vertragen Frost grundsätzlich gut, weil das Kunststoffgeflecht nicht wie echtes Naturrattan Feuchtigkeit aufnimmt. Trotzdem wird das Material bei UV-Belastung über Jahre spröde, und genau an den Knickstellen der Armlehnen reißt es dann im Winter zuerst. Ein kurzer Check der Verbindungsstellen vor dem Einlagern zeigt, ob ein Stuhl den nächsten Sommer überhaupt noch mitmacht. Massivholzmöbel aus Teak oder Robinie halten Wind und Regen im Prinzip stand — deshalb werden sie ja auch für den Außenbereich verkauft —, trocknen aber im Winterlager deutlich besser aus als draußen unter der Plane. Ölen Sie Teakholz noch einmal vor der Einlagerung, etwa mit Produkten von Osmo oder Bondex, dann übersteht das Holz auch einen feuchten Keller ohne zu vergrauen. Aluminiummöbel sind bei dieser Frage die unkomplizierteste Wahl: Sie rosten nicht, brauchen keine Pflege vor dem Winter und lassen sich notfalls sogar draußen stehen lassen, solange die Polster entfernt sind. Wer schon einmal versucht hat, einen durchgerosteten Gusseisenfuß im April wieder zusammenzuschrauben, überlegt sich beim nächsten Set die Materialwahl ohnehin zweimal.

Ein Punkt wird regelmäßig unterschätzt: Gusseisenmöbel, wie sie in vielen Bistro-Sets vorkommen, brauchen zwingend einen trockenen Stellplatz. Draußen unter einer Abdeckplane bildet sich am Metall Kondenswasser, das die Lackschicht von innen angreift — nach zwei, drei Wintern blättert sie ab, egal wie hochwertig das Set einmal war.

Polster und Kissen: der teuerste Fehler beim Winterfestmachen

Feuchte Polster, die im Keller oder in der Gartenhütte gestapelt werden, sind die häufigste Ursache für Schimmelschäden am Gartenmobiliar. Kissenbezüge müssen vollständig durchgetrocknet sein, bevor sie verpackt werden — ein Tag in der Sonne reicht bei dickeren Auflagen nicht aus, hier braucht es eher drei bis vier trockene Tage mit Luftzirkulation von beiden Seiten.

Waschen Sie abnehmbare Bezüge bei maximal 40 Grad, denn viele Outdoor-Stoffe mit UV-Schutzbeschichtung, etwa von Sunbrella oder Tempotest, verlieren bei höheren Temperaturen ihre wasserabweisende Imprägnierung. Für den Schaumkern gilt: niemals in Plastiktüten luftdicht einpacken. Nutzen Sie stattdessen atmungsaktive Aufbewahrungssäcke oder, wenn es der Platz zulässt, eine offene Lagerung auf einem Regal im trockenen Keller.

Grill und Feuerstelle: mehr als nur abdecken

Ein Gasgrill von Weber oder Napoleon sollte vor der Winterpause komplett gereinigt werden, inklusive der Brennerdüsen — dort setzt sich Fett fest, das im Frühjahr Rauch und ungleichmäßige Flammenbildung verursacht. Trennen Sie die Gasflasche ab und lagern Sie sie draußen oder in einem gut belüfteten Schuppen, niemals im beheizten Keller oder in der Garage, das schreibt schon die Betriebssicherheitsverordnung so vor. Bei Kohlegrills reicht es dagegen, die Asche restlos zu entfernen und den Deckel leicht geöffnet zu lassen, damit sich im Inneren kein Kondenswasser sammelt. Eine Feuerschale aus Stahl braucht vor dem Winter eine Schicht Pflanzenöl auf der Innenseite, sonst zeigt sich im Frühjahr der erste Rostansatz genau dort, wo die Glut am heißesten war. Elektrogrills werden in der Diskussion meist vergessen, dabei brauchen auch sie einen trockenen Stellplatz, weil Feuchtigkeit an den Heizspiralen mit der Zeit Kurzschlüsse verursachen kann. Wer sein Gerät ohnehin schon zerlegt, um es zu reinigen, sollte gleich die Dichtungen am Deckel prüfen — genau dort setzt sich Grillfett fest, das später schwer wieder herausgeht. Fünf Minuten mehr an dieser Stelle ersparen im Frühjahr eine Stunde Schrubben.

Kübelpflanzen: was reinmuss und was draußen bleiben kann

Oleander, Zitrusbäume und Olivenbäume vertragen in Deutschland keinen Frost und müssen bei Temperaturen unter 5 Grad ins Winterquartier — ein heller, kühler Raum zwischen 5 und 10 Grad ist ideal, ein warmes Wohnzimmer dagegen der sicherste Weg, die Pflanze im Frühjahr mit vertrockneten Blättern wiederzufinden. Hortensien, Buchsbaum und die meisten winterharten Gräser bleiben dagegen problemlos draußen, sollten aber mit Vlies oder Jutesäcken vor Frost am Wurzelballen geschützt werden, besonders wenn sie in dünnwandigen Terracotta-Kübeln stehen.

Genau bei den Terracotta-Kübeln liegt die Krux: Das poröse Material saugt Feuchtigkeit auf, die bei Frost gefriert und den Topf von innen sprengt. Stellen Sie diese Kübel auf Füße oder Holzklötze, damit Wasser am Boden abfließen kann, statt sich zu stauen.

Der Terrassenboden selbst wird gerne vergessen

Vergessen wird er trotzdem fast immer.

WPC-Dielen (Wood-Plastic-Composite) brauchen vor dem Winter nur eine gründliche Reinigung mit klarem Wasser, weil eingewachsenes Laub sonst über Monate Feuchtigkeit unter der Oberfläche hält. Naturstein- oder Betonplatten sollten Sie mit einer Fugenbürste von organischem Material befreien, denn gefrierendes Wasser in feuchten Fugen ist einer der Hauptgründe für Frostabplatzungen an Terrassenplatten.

Bei Holzterrassen aus Lärche oder Douglasie lohnt sich eine zweite, dünne Schicht Holzöl, sofern die letzte Behandlung länger als ein Jahr zurückliegt. Das kostet für eine mittelgroße Terrasse von etwa 20 Quadratmetern mit Marken wie Osmo oder Adler zwischen 40 und 70 Euro an Material — eine Investition, die sich lohnt, weil unbehandeltes Holz im Winter deutlich schneller vergraut und rissig wird.

Außenbeleuchtung und Kabel: der unterschätzte Sicherheitscheck

Solarleuchten entlang des Gartenwegs brauchen vor dem Winter keine Sonderbehandlung, sollten aber von Laub befreit werden, weil verdeckte Solarzellen im Winter kaum noch Licht sammeln und die Akkus dann tiefentladen den Frühling nicht überleben. Fest verlegte Gartensteckdosen und Kabel für Teichpumpen oder Lichterketten gehören dagegen auf den Prüfstand: Feuchtigkeit, die sich über den Sommer in einer beschädigten Kabelummantelung gesammelt hat, wird bei Frost zum Risiko, weil das gefrierende Wasser die Isolierung zusätzlich aufsprengt. Ein FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) ist für alle Außensteckdosen in Deutschland ohnehin vorgeschrieben, und ein kurzer Test per Prüftaste zeigt in zwei Minuten, ob er noch zuverlässig auslöst.

Teichpumpen für Gartenteiche mit Fischbesatz dürfen laut den meisten Herstellerangaben, etwa von Oase oder Heissner, nicht einfach abgeschaltet werden, sobald es kälter wird — sie sorgen im Winter für die nötige Wasserzirkulation, die eine geschlossene Eisdecke verhindert. Wer den Teich dagegen ohne Fische betreibt, kann die Pumpe bedenkenlos herausnehmen, reinigen und trocken im Keller lagern, bis das Wasser im Frühjahr wieder über 10 Grad steigt.

Was die Hausratversicherung wirklich abdeckt

Sturmschäden an Gartenmöbeln sind über die Hausratversicherung meist nur dann versichert, wenn die Möbel zum Zeitpunkt des Sturms fest verankert oder sachgemäß verstaut waren — ein Trampolin, das über den Zaun fliegt und das Auto des Nachbarn beschädigt, fällt sonst schnell in eine Grauzone zwischen Hausrat- und Haftpflichtversicherung. Prüfen Sie vor dem ersten Herbststurm, ob Ihre Police überhaupt eine Elementarschadenklausel enthält, denn viele ältere Verträge aus den 2010er-Jahren schließen genau diese Schäden noch aus.

Fotografieren Sie hochwertige Gartenmöbel-Sets vor der Einlagerung. Im Schadensfall verlangen Versicherer wie die Allianz oder die HUK-Coburg oft einen Nachweis über Zustand und Wert, und ein Foto vom September ist im Zweifel mehr wert als jede Erinnerung im März.

Was sich wirklich lohnt und was nicht

Eine hochwertige Schutzhülle für ein komplettes Lounge-Set kostet zwischen 80 und 150 Euro und rechnet sich meist schon nach der ersten Saison, wenn man bedenkt, dass ein Ersatzpolster für ein einzelnes Sofa-Element oft mehr kostet als die gesamte Hülle. Bei einfachen Gartenstühlen aus Kunststoff lohnt sich dagegen weder Hülle noch Lagerung im Detail — hier reicht es, sie trocken und gestapelt in die Ecke der Garage zu stellen, das Material verzeiht praktisch jede Nachlässigkeit.

Was viele überrascht: Eine professionelle Einlagerung im Möbellager, wie sie manche Gartencenter mittlerweile anbieten, kostet für ein komplettes Terrassenset zwischen 150 und 250 Euro pro Saison. Für ein hochwertiges Rattan-Ensemble im Wert von über 2.000 Euro kann sich das lohnen, wenn im eigenen Keller schlicht kein trockener Platz vorhanden ist. Für ein Standard-Set aus dem Baumarkt lohnt sich das dagegen fast nie, denn der Lagerpreis übersteigt nach zwei, drei Saisons locker den Neupreis eines vergleichbaren Sets im nächsten Sommerschlussverkauf.

Am Ende ist es dieselbe Regel wie bei der Heizungswartung im Herbst: Wer im September zwei Stunden investiert, spart sich im Frühjahr einen ganzen Tag Reparatur — und meistens auch die Kosten für Ersatzteile, die es für das drei Jahre alte Gartenmöbel-Set vom Discounter längst nicht mehr gibt.